Erfolgreiche Premiere im Nocti Vagus
Die Premiere von “Love, Men & Guitars” in der absoluten Finsternis des Dunkelrestaurants “Nocti Vagus” war für CorleeMad die zweifellos ungewöhnlichste Aufführung eines neuen Programms:
Ab 18 Uhr erscheinen die Gäste, um sich nach einem Aperitif durch das Servicepersonal – zumeist Blinde – in den Gastraum mit der Bühne führen zu lassen. Jeder Gast wird zu seinem Tisch gebracht. Der Raum liegt in absoluter Finsternis und “absolut” ist absolut wörtlich zu nehmen! Das Menü wird serviert und in der Dunkelheit genossen – die Sinne schärfen sich, die besonderen Umstände verführen zu Langsamkeit und Genuß. Um halb neun wird auch Sängerin Cora Lee zu ihrem Mikrofon gebracht… Nun ist sie bei ihrem Publikum und die blicklose Kontaktaufnahme funktioniert auf Anhieb. “Love, Men & Guitars” ist vor allem ein Balladenprogramm mit zurückhaltender Instrumentierung – Gitarre, Cajon, mitunter Klavier und Cello. Zu jedem Lied gibt es etwas zu erzählen, das Publikum reagiert überaus positiv. Nach kurzer Zeit ist klar, Cora bezaubert mit ihrer Stimme und Persönlichkeit auch ohne Blickkontakt. Die Gäste nutzen die Gelegenheit zur Mitwirkung, kommunizieren mit der Sängerin und lassen sich bereitwillig von ihren Geschichten einfangen. Nicht nur am Ende, sondern nach jedem Titel wird applaudiert.
Fazit: Die ausgefallene Atmosphäre des Dunkelrestaurants bietet Gelegenheit, künstlerische Konzepte in besonderer Form ohne optische Ablenkung einzusetzen. Sie zwingt zur Konzentration und Disziplin; Gesten und Choreographien entfallen, alles muss mit sprachlichen und musikalischen Mitteln gelöst werden. Im Gegenzug bietet die Dunkelheit dem Publikum eine niedrige “Hemmschwelle” und ermuntert dazu, Reaktionen auf das Programm zu zeigen. Bei CorleeMad waren die Reaktionen positiv bis enthusiastisch. Ein für die Musiker schwieriges Experiment ist gelungen.