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Archiv für die Kategorie „Rezensionen“

melodie & rhythmus, Heft 7-8/2009

Feature über CorleeMad in der Musikzeitschrift “melodie & rhythmus”
Heft Juli/Aust 2009
Autor: Volker Voss

melodie und rhythmus 7-2009

Konzertkritik (20.8.2008, Berlin)

Autor: Erik M. Pohl

„Und dann ruft ihr in’ paar Jahren beim Grand Prix für mich an!“

In Zeiten, da man von Öffentlich-Rechtlichen nicht gerade verwöhnt wird, es sei denn, man ist musikalisch irgendwo zwischen 1975 und 1990 stehen geblieben oder man mag Uralt-Shows, ist es erfrischend zu erfahren, dass es Hoffnung gibt. Diese kommt auf schwarzen Strümpfen daher und schafft es, am Sonnabend, dem 20.6.2008, zu bester Fußballsendezeit gut Hundert Leute nach bzw. ins JWD zu locken. Die Band CorleeMad gibt ein Rock-Konzert auf der Insel Eiswerder. Zwei Gitarristen, ein Bassist und der Mann am Schlagzeug geben sich die Ehre, hinter Cora Lee für die richtigen Töne zu sorgen. Solides Handwerk, gepaart mit Kreativität und genügend Kraft, so dass es fein klingen könnte, wenn da nicht die Haustechnik wäre und nach langem, nahezu verzweifelten Suchen das Grundbrummen wegzaubert, das bereits beim Einlass im Raum wabert.

Wenn Cora die Bühne betritt, vergisst man dieses Geräusch. Natürliche Frische knallt in den Raum und nagelt die Blicke des Publikums fest an den langen roten Haaren des Front-Mädels. Keine Spur von Unsicherheit, wie man sie aus unzähligen Casting-Shows kennt, dafür die blanke Lebensfreude, entwaffnende Natürlichkeit, mitreißender Frohsinn und eine tolle Röhre, von der man sich wünscht, sie wäre noch viel besser zu hören. Coras facettenreiches Stimm-Spektrum bietet alles, was einer Sängerin zu wünschen ist: wohlige Tiefe, mühelose Höhe, schönes Metall und eine tonale Treffsicherheit von nahezu 100%. Optisches Leckerlie ist das ungezügelte Temperament der jungen Dame, das vom ganz lieben Mädchen zur frechen Göre bis hin zum Erotik-Wunder reicht.

Anständig unanständig! Eine prickelnde Mischung zu der einem „Die wilde Mathilde“ von Silly einfällt. Was da über die Bühne und aus den Schuhen rausspringt, tanzt, sich am Mikroständer räkelt, flirtet und so richtig aus dem Bauch raus erzählt, ist eine erfrischende Kind-Frau, von der man mit Sicherheit noch einiges erwarten darf. Selbst Klassikern wie „What’s up“ (4 non blondes) oder „Livin’ on a prayer“ (Bon Jovi) verleiht sie einen ganz eigenen, unerwarteten Charakter, wie schön!

Als die fingerfertigen Saiten-Spezis Alex Mann und Clemens Koch ihre E-Gitarren gegen Akustik-Gitarren austauschen, schmeicheln sich leise Ton-Lüftchen in die Ohren. Thomas Hofmann, der Bassist, zupft sensibel und in sich hinein lächelnd die Saiten und der kraftvolle Drummer Stefan Kickertz vertauscht sein Schlagzeug, das er gut zu verhauen versteht, mit dem Cajon. Dazu sitzt Cora artig und gleichzeitig sehr sexy auf dem Barhocker und wer’s bis jetzt nicht gehört hat: das Mädel kann wirklich singen! Das baut nicht nur die Fans auf, auch Liebhaber der weicheren Welle werden so richtig schwach. Und endlich versteht man auch die Texte, wenn man Englisch kann!

Klar, diese junge Frau hat es verdient, Preisträgerin der Deutschen Popstiftung 2007 (Kategorie: Beste Rocksängerin) zu werden. Und es wäre ihr wirklich von Herzen zu wünschen, dass ihre Vision vom Auftritt für Deutschland beim Grand Prix wahr wird. Und während die türkische Mannschaft gegen die tapfere Auswahl der Kroaten gewinnt, hat CorleeMad auch ein Heimspiel ( mit Lieblingslied-Zugabe „Rock’n Roll Megastar“) und siegt, trotz der nicht ganz glücklichen technischen Bedingungen in den Kategorien: Musikalität, Professionalität, Bühnenshow und feiner Weiberrock!

Interview mit Mike Kempf (Rocktimes), Juni 2008

Rocktimes

RockTimes: Cora, in Berlin seid Ihr bereits mehr als nur ein Geheimtipp. Immerhin habt Ihr schon zwei bedeutende Preise eingeheimst, den Deutschen Rock & Pop Preis 2006 (Kategorie: Bester Rocksong) und Ihr seid die Preisträger der Deutschen Popstiftung 2007 (Kategorie: Beste Rocksängerin). Welche Auswirkungen haben diese Auszeichnungen auf Euch?

Cora: Diese beiden Preise haben wir auf Gebieten bekommen, die uns selbst auch besonders wichtig sind: Für’s Songwriting sowie für die Ausdruckskraft und gesangliche Stärke von mir. Wenn eine fundiert besetzte Jury auf uns zeigt und sagt: »Das war gut, das war sogar sehr gut«, hat man zunächst einen richtigen Energie-Push, einen Moment des Stolzes. Langfristige Auswirkung ist die Bestätigung ‘von außen her’, dass man auf dem richtigen Weg ist, dass das, was man macht, nicht nur ein Privatvergnügen ist, sondern relevant auch für andere Menschen, für Kollegen oder gestandene Profis aus der Musikszene.
Übrigens gilt das nicht nur für Auszeichnungen und Wettbewerbe, sondern auch für Konzerte, bei denen man unmittelbar die Auswirkungen der eigenen Arbeit in den Gesichtern des Publikums spürt.

RockTimes: Bei Euren Gigs erinnerst Du nicht nur optisch, sondern auch durch Deine ausdrucksstarke Stimme an die Anfänge von Cindy Lauper in den 80ern. Gibt es für Dich dahingehend musikalische Vorbilder?

Cora: Von einem derartigen Vergleich habe ich noch nie gehört… bin aber überrascht und freue mich. Danke. Überraschenderweise liegen meine Vorbilder in einem ganz anderen Genre. Für mich war schon immer Whitney Houston die Göttin unter dem Sängerinnen-Himmel. Auch wenn’s nicht zu der Musik passt, die ich jetzt mache – an der Frau kann man sich einfach 100 Milliarden Scheiben abschneiden. Ob ich rocke, poppe oder indische Trauermusik mache. [Ähem. Die Red.]

RockTimes: Alex, ist die Entstehung eines Songs von CorleeMad ein Gemeinschaftsprodukt der Band oder wer hat am meisten Einfluss?

Alex: Im Augenblick ist es so, dass es einen kreativen Kern gibt. Wenn der Vergleich nicht vermessen wäre, würde ich sagen, wie Lennon & McCartney bei den frühen Beatles. Fast alle Songs werden von Cora Lee und mir gemacht, wodurch wir in der schönen Lage sind, dass Urheber und Interpret in persona zusammenfallen. In unserer erneuerten Bandbesetzung sind jedoch die Musiker unheimlich taff und so kann man erwarten, dass CorleeMad-Songs durchaus auch von anderen Urhebern innerhalb der Band beigesteuert werden. Einfluss nehmen schon jetzt alle Musiker der Band, da sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Backgrounds sowohl Grundlagen als auch tolle Ideen beisteuern können.

RockTimes: Noch kann man von Euch kein Album erwerben. Das wird aber sicherlich nicht so bleiben. Wie ist der Stand der Dinge?

Cora: Einen Longplayer gibt es nicht, das stimmt. Bislang erschien nur eine E.P. in relativ kleiner Auflage und es gibt eine Reihe von Samplerbeiträgen im In- und Ausland. Außerdem sind mal drei Videos produziert worden und auf DVD erschienen. Zudem haben wir einige Songs von 2006 in Onlinevertriebe wie iTunes und mp3.de gegeben.
Natürlich hätten wir schon eine Menge Titel in irgendeinem Homestudio zusammenschustern und in der Zeit glatt zwei CDs als Hobby pressen können. Das ist aber nicht unser Ziel. Wir wollen unsere Songs richtig ‘auf den Punkt bringen’ und haben dazu nicht nur im Laufe von zwei Jahren die richtige Band zusammengecastet, sondern auch sorgfältig an den Arrangements und an den solistischen Leistungen gearbeitet. Seit einigen Monaten haben wir einen Produzenten, mit dem wir sehr gut können und mit dem wir peu à peu die Songs für ein Album aufnehmen. Das ist gar nicht so einfach, wenn die Band noch ungesignt ist und keine Plattenfirma für die ganzen Kosten aufkommt. Wir denken aber, dass wir mit einem guten Songangebot kommen und unsere bereits laufenden Verhandlungen mit diversen Plattenfirmen von der guten Vorbereitung profitieren werden.

RockTimes: Abgesehen von Euren Auszeichnungen, gibt es da noch ein weiteres nennenswertes Highlight Eurer noch jungen Karriere?

Alex: Das letzte Highlight ist immer das letzte Konzert… es gibt immer wieder Erlebnisse, die lustig, interessant oder überraschend sind. Zu den interessanten Erfahrungen gehört sicherlich der Auftritt von Cora Lee als Sat.1-Morningstar. Auch das gemeinsame Konzert mit Fools Garden, das uns zu einem kompletten unplugged-Arrangement verführt hat, war eine sehr schöne Erfahrung. Ein tolles Erlebnis war einer der allerersten Auftritte auf einer Riesenbühne beim Brandenburger Wasserfest, wo wir gleich nach den Top Acts praktisch das Nachprogramm bestritten haben und tausende Besucher nach kürzester Zeit unserem Namen skandiert haben. Cora allein hat auch manchmal Seitenaktivitäten als Sängerin oder Moderatorin, auf die sie stolz sein kann, wie z.B. der Auftritt bei der Geburtstagsparty des Berliner Fußballclubs Union, bei der sie in den Fußstapfen von
Nina Hagen trat und – durchaus eigenständig und unter Begeisterung der Zuschauer – die wohl bekannteste ostdeutsche Vereinshymne “Eisern Union” interpretierte.

RockTimes: Am 20. Juni 08 habt Ihr in Berlins Rockclub JWD Eure Visitenkarte abgegeben. Der Berliner Regionalsender OKB hat den Gig mitgeschnitten. Gibt es da schon einen Termin wann der Gig im TV zu sehen ist?

Cora: Ja, die Sendetermine im OKB (Berliner Kabelnetz) stehen bereits fest: am 23. Juni um 10.00 Uhr und am 17. Juli um 23.00 Uhr. Die Sendungen sind teilweise auch unter okb.de als Web-TV zu empfangen. Voraussichtlich wird der Konzertmitschnitt auch noch von anderen Sendern oder Web-TVs übernommen.

RockTimes: Wie gestaltet sich Euer Tourneeplan für 2008? Gibt es sogar Konzerte außerhalb des deutschsprachigen Raums?

Cora: Wie immer, wenn man noch keine CD draußen und kein ausgedehntes Airplay hat, ist das Booking sehr schwer. Wir sind mit 2008 jedoch bislang zufrieden, zumal wir Gelegenheit haben, sowohl die Rockband als auch die daraus abgeleitete Akustik-Variante auf die Bühne zu bringen. Im Ausland sind bislang keine Termine geplant, auch wenn wir gute Kontakte haben. Im vergangenen Jahr haben wir es immerhin bis auf eine Bühne des Sziget-Festivals in Budapest geschafft. Das war übrigens auch eines dieser ‘besonderen Erlebnisse’.

RockTimes: Ist es für Euch denkbar, in Zukunft von Eurer Musik zu leben?

Cora und Alex: Ja, und wir arbeiten auch direkt darauf hin. Wir glauben an unsere Songs, trauen uns gegenseitig die Fähigkeiten zu und arbeiten intensiv an dem, was eine bekannte Rockband mit erinnernswerten Songs werden soll.

RockTimes: Gehen die Bandmitglieder noch anderen Projekten nach, oder konzentrieren sich alle auf CorleeMad?

Cora: Klar gibt es auch andere, in der Regel musikalische Projekte der einzelnen Musiker. Aber CorleeMad ist für uns ein echter Schwerpunkt, um nicht zu sagen: Lebensmittelpunkt.
RockTimes: Welche Band, außer Euch, würdet Ihr für meinen nächsten Konzertbesuch wärmstens empfehlen?

Cora und Alex: Also was wir ganz toll finden, ist die Band Hella Donna aus Plauen. Bemerkenswert in Berlin ist Skin Diary. Von den etablierten können wir Fools Garden sehr empfehlen. Die kennt zwar jeder, aber kaum jemand weiß, was für facettenreiche Songschreiber die eigentlich sind.

>> Zum Originaltext in der Rocktimes

Konzertkritik: Rocktimes, Juni 2008

Konzertkritik von Mike Kempf in der RockTimes, dem Webmagazin mit Konzertberichten, Interviews und Infos zur Rockszene.

RocktimesCora Lee, die rothaarige Rockröhre von CorleeMad wurde im vergangenen Jahr von der Deutschen Popstiftung der Preis als ‘Beste Rocksängerin 2007′ verliehen. Mit “I Am What I Am” konnte sie beim Deutschen Rock & Pop Preis 2006 den 1. Platz in der Kategorie ‘Bester Rocksong des Jahres – englischsprachig’ einheimsen. Wenn das keine guten Gründe waren, um sich die Band mal live reinzuziehen. Am Freitag, dem 20. Juni 2008, war es dann soweit. Die Band gastierte im Spandaus Rockclub JWD und wie es sich für angehende Rockstars gehört, begann der Gig mit einer halbstündigen Verspätung. Vom Regionalsender, OKB (Offener Kanal Berlin), wurde ein beweglicher Kameramann geordert, der eine feststehende Kamera unterstütze um die folgenden zwei Stunden aufzunehmen. Wie in den letzten Wochen zuvor, kostete die Fussball-EM denm Club und die Band doch zahlreiche Fans, die in dieser Zeit nur schwer von der Glotze zu lotsen sind.

RocktimesUnbeeindruckt davon betrat man die Bühne, wobei das Augenmerk zwangsläufig auf die Frontfrau Cora Lee gerichtet war, die in ihrem Mini-Schottenrock und mit ihrer roten Mähne einen gewissen Sexappeal ausstrahlte, der das Männerherz frohlocken ließ. Der Gig begann und Cora wusste nicht nur optisch zu überzeugen, sondern demonstrierte gleich, warum ihr die o.g. Preise zuteil wurden. Bei “Walk Over Water” entledigte sie sich erstmal ihres Schuhwerks und ich bezweifelte, ob sich die männlichen Fans wirklich nur aufs Musikalische konzentrierten. Dabei war ihr Gesang, ihre Stimme, der einer sexy Rockröhre absolut würdig.
Aber die Band besteht ja nicht nur aus Cora Lee. Unterstützt wurde sie von den Gitarristen Alex Mann und Clemens Koch, dem Bassisten Thomas Hofmann und Stefan Kickertz am Schlagzeug. Alex und Clemens wechselten sich bei den Songs mit den Soli ab, Stefan präsentierte uns gar ein Drumsolo, wobei ich denke, dass er nicht sein ganzes Potential zeigte. Thomas spielte einen Fünf-Saiten-Tieftöner und wirkte mit Oberhemd, Stoffweste und Schlips sehr seriös.

“Don’t Leave Me”, “Nothing’s For Free” und “Testify To Love” wurden als Unplugged-Nummern offenbart. Die Rock-Balladen nahmen zwar die Geschwindigkeit raus, doch hier konnte man am besten der tollen Stimme von Cora lauschen. Die Songs, hervorragend mit Akustikklampfen und einem Cajon unterstützt, wurden von den Fans wohlwollend aufgenommen. Doch für mein Empfinden liegt die Stärke von Cora doch mehr in den temperamentvollen rockigen Stücken, bei denen sie mich sehr stark an Cindy Lauper in den 80gern erinnerte.

CorleeMad in der Rocktimes“I Am What I Am” könnte sich zu einem Ohrwurm entwickeln. Ihr weiblicher Fanclub sang kräftig mit und feuerte die Band über den ganzen Gig frenetisch an. Für meinen Geschmack übertrieben sie es manchmal und es wurde zum Teil auch ohne ersichtlichen Grund gejubelt. Nicht nur “What’s Up” (4 Non Blondes) und auch “Living On A Prayer” von Bon Jovi gehörten zur Setliste. Alles in allem eine gelungene Vorstellung einer harmonisch wirkenden Band, in der Cora Lee absolut im Mittelpunkt steht. Sicherlich ist es nun an der Zeit, dass Ihr erstes Album auf den Markt kommt. Man darf gespannt sein und sollte CorleeMad nicht aus den Augen lassen.

Konzertempfehlung von musicheroes.de

Nur ‘ne freche Göre aus Berlin?

Wer das denkt, wird spätestens beim Hören ihrer Songs eines Besseren belehrt.

Cora Lee ist die sympathische Powerfrau der Band CorleeMad aus Berlin.
Und Powerfrau trifft es im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit ihren authentischen Rockhymnen sorgt sie nicht nur für gute Stimmung, nein, sie tritt einem auch so richtig mit ihren unverblümten Texten in den Hintern.

Stilistisch einzuordnen zwischen Rock, Pop mit einem Schuss Punksahne.

Wer jetzt immernoch zweifelt, sollte sich die Preisträger des „Deutschen Rock & Pop Preises“ 2006 und 2007 live ansehen. Oder anders ausgedrückt: Die Pfingsttage sind gerettet.

www.musicheroes.de